Europas rechte Frontfrauen

merkel-angela-frauenEs ist schon erstaunlich, wie die Presse plötzlich entdeckt, dass Frauen in der Politik keineswegs nur Engel sind. Warum sie sich diese Frage allerdings erst stellt, nachdem mehrere rechte Parteien in Europa von Frauen geführt werden, ist irgendwie unverständlich. Dabei zeigt die Geschichte, dass Frauen noch nie besonders zart führend (zartfühlend) waren.

Der Text fängt mir der belgischen Politikerin Anke Van dermeersch von der Partei Vlaams Belang an, die anscheinend früher Fotomodell war. Auf jeden Fall wisse sie, wie man Reize bewusst einsetzen kann. Frau Van dermeersch ist zumindest in hiesigen Landen so unbekannt, dass es noch nicht einmal einen deutschen Wikipediaeintrag zu ihrer Person gibt.

Frauke Petry in Deutschland für die AfD, Beata Szydło für Kaczyńskis PiS-Partei in Polen, Siv Jensen in Norwegen für die Fortschrittspartei, Pia Kjærsgaard für die Dänische Volkspartei, Anke Van dermeersch für den belgischen Vlaams Belang sowie Marine Le Pen, dass sind die Namen der Frauen, die von der Welt als Führerinnen rechtspopulistischer Parteien aufgezählt werden. Die Welt

Mich irritiert an dem Artikel der Welt, dass die genannten Frauen explizit hervor gehoben werden, zumal es dort heißt, dass diese Frauen nicht besser als Männer wären. Allerdings würden viele Menschen ihnen nicht zutrauen, dass sie genauso radikal sein können wie Männer. Hätte die Presse in der Vergangenheit diese Kriterien auch bei anderen Politikerinnen angewandt, bräuchte man sich heute nicht wundern.

Schon Alice Schwarzer brachte vor langer Zeit mal den Spruch, der lautete: Frauen sind nicht etwa die besseren Menschen; sie hatten bisher nur nicht so viel Gelegenheit, sich die Hände schmutzig zu machen. Ich bin wahrlich kein Fan von Alice Schwarzer, aber in diesem Fall hatte sie ausnahmsweise mal recht.

Das beste Beispiel in diesem Zusammenhang liefert aktuell unsere Bundeskanzlerin. Um der schlechten Stimmung der deutschen Bevölkerung und dem weiteren Absinken der CDU, hauptsächlich wegen der Flüchtlingswelle, zu entgehen, verbündet sich Frau Merkel mit der Türkei, wohl wissend, dass es dort mit der Demokratie mehr als schlecht bestellt ist. Neben der unsäglichen Zensur, den Polizeieinsätzen gegen die eigene Bevölkerung, namentlich den Kurden, soll an der Grenze auch auf Flüchtlinge geschossen werden.

Diese Informationen wird auch Angela Merkel haben und trotzdem geht sie und die EU ein Abkommen mit der Türkei ein. Was ist daran besser als die Forderungen rechter Parteien und deren Führerinnen, keine Flüchtlinge aus Nichtkriegsgebieten aufzunehmen? Ist Angela Merkel deswegen weniger brutal, nur weil sie ihre Worte „Wir schaffen das“ nicht zurück nimmt und die schmutzige Arbeit lieber der Türkei überlässt?

Weiter fällt mir gerade „unsere allseits beliebte“ Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth ein. Zwar liegt es schon länger zurück, als sie hinter einem riesigen Plakat mit der Aufschrift „Nie wieder Deutschland“ herlief, aber so weit braucht man gar nicht schauen, denn immerhin ist sie im November vorigen Jahres auf einer Demonstration mit gelaufen, auf der laut mehreren Zeugenaussagen die Parole „Deutschland, Du mieses Stück Scheiße“ laut genug gebrüllt wurde. Tichys Einblick

Außerdem denke ich gerade auf Grund eines Beitrages von Bernhard Lassahn an eine ehemalige Piraten Politikerin, die auf ihren nackten Brüsten die Worte „Thanks Bomber Harris“ gepinselt hatte. War da nicht auch noch etwas wie „do it again“? Die Taz machte daraus im übrigen „eine überspitzte Provokation“, also alles halb so schlimm? Wenn Sprache so entscheidend ist, wie die feministische Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch gerne und andauernd betont, dann dürften von Politikerinnen nicht solche Sprüche wie oben genannt, kommen.

Da Parteivorsitzende ihre Politik nicht alleine betreiben können und auf ihre Mitglieder sowie „Experten“ angewiesen sind, kann man davon ausgehen, dass Letztgenannte einen großen Einfluss haben. In diesem Zusammenhang geht mir der kürzlich veröffentlichte Artikel von Bernhard Lassahn nicht mehr aus dem Kopf. Dort steht u.a. folgendes:

Luise F. Pusch empfiehlt, Jungs, die sich in der Schule nicht dem Sprachfeminismus beugen wollen, zu schlagen (das schade ihnen nicht, meint sie); grundsätzlich tue es Männern gut, wenn sie leiden müssen. Schließlich haben Männer – und zwar grundsätzlich alle! – Schrecken und Elend verbreitet. Deshalb sollen nun auch die Jungen in Sippenhaft genommen werden und büßen.

Nun ist Luise F. Pusch keine Politikerin im eigentlichen Sinne, sie nimmt aber politischen und medialen Einfluss auf die Öffentlichkeit. Weiter schreibt Bernhard Lassahn:

Zwischenfrage: Sollen sie (Anm: die Schuljungen ) etwa wegen der vielen Vergewaltigungen durch Sprache büßen? Klar. Doch das ist nicht alles. Luise F. Pusch spricht von einem „Gynozid“.

Wer es nicht auf Anhieb verstanden hat, hier noch mal in Zeitlupe: Gy-no-zid! Es ist ein Wortspiel. Es ist zusammengesetzt aus den Bestandteilen „Genozid“ und „Gynäkologie“ und soll verdeutlichen, wie sehr Frauen unter der „Männersprache“ zu leiden haben. Es ist unfassbar. Es sprengt unser Vorstellungsver-mögen.[..] Nichtfeminist

Das stimmt in der Tat – es ist unfassbar. Wenn Worte Einfluss auf unser Denkvermögen nehmen, dann ist das Gesagte über deutsche Politikerinnen und ihre „Experten“ zumindest genauso radikal wie das, was den Führerinnen politischer Parteien vorgeworfen wird.

Zu guter Letzt möchte ich noch auf einen Artikel von Alexander Ulfig hinweisen, bei dem es zwar nicht direkt um politische Führerinnen geht, sondern eher um Frauenpolitik im Allgemeinen, der aber m.E. trotzdem gut zu diesem Artikel hier passt: „Weiblicher Narzissmus, Männerhass und Frauenpolitik“ Alexander Ulfig

Nachtrag: Jetzt mache ich es mal wie Hadmut Danisch, auch bzw. gerade, weil ich mich nun auf einen Artikel von ihm beziehe. Ich habe in meinem Beitrag von einer ehemaligen Piraten Politikerin geschrieben, dessen Name ich mehr aus Unlust nicht erwähnt habe. Nun aber hat sie über Twitter Hadmut Danisch angeschrieben und daraus ergab sich ein wechselseitiger Tweet, der es in sich hat. „Anfang einer Verleumdungskampagne der LINKEN gegen mich?“ von Hadmut Danisch

WikiMANNia: Luise F. Pusch
WikiMANNia: Alice Schwarzer
WikiMANNia: Frauen in der Politik
WikiMANNia: Frauen in der Politik (Liste)

5 Kommentare.

  1. Klasse recherchiert – danke, Christine!

  2. Noch ein schöner Beitrag zum Thema:

    Frau Merkel akzeptiert die Spielregeln eines Neo-Sultans

    Wieso schweigt die Bundeskanzlerin nicht einfach zu einem satirischen Schmähgedicht? Warum respektiert sie nicht die Kultur- und Pressefreiheit? Ist das nicht mehr selbstverständlich in Deutschland? Weshalb ruft sie den türkischen Ministerpräsidenten an und kritisiert dieses Erdogan-Gedicht? Und wieso lässt sie das hinterher auch noch alle Welt offiziell wissen? Und obendrein – als sei die Zensur wieder eingeführt – belobigen, dass das Gedicht vom Netz genommen worden sei.

    Sie macht es, weil sie diesen Kotau vor einem Despoten aus Ankara für nötig hält. Sie tut es, weil sie die Spielregeln eines Neo-Sultans, der Menschen- und Freiheitsrechte mit Stiefeln tritt, als unsere akzeptieren lässt. Sie unterwirft sich der Repressionslogik von Erdogan, weil ihre Migrationspolitik dahin führt, dass Deutschland von der Türkei erpressbar geworden ist. An der Winzigkeit eines miserablen Gedichts entlarvt sich die ganze Tragödie von Merkels Zuwanderungs-Irrungen. Weil sie die Grenzen zu weit aufgerissen hat und sich seither weigert, die eigene Grenzsicherung entschieden in Angriff zu nehmen, stattdessen aber die Türkei als dubiosen Grenzpolizisten einkaufen will, degradiert sie sich und Deutschland zum Spielball fremder Interessen und Ansichten – und seien es die über Satire.[..]

    http://www.achgut.com/artikel/frau_merkel_akzeptiert_die_spielregeln_eines_neo_sultans

Trackbacks und Pingbacks: